Von der Steinzeit...

Mensur Suljovic hat die Champions League of Darts gewonnen.

 

Eigentlich wollte ich ja einen Artikel über Mensurs Konzentration, über seine Nervenkraft, seine mentale Stärke schreiben. Über seine Fähigkeit, alles um sich herum auszublenden.  Über den Augenblick, wo das Publikum so tobt, als hätte er das entscheidende Leg bereits für sich entschieden, und er, als seine Konzentration schwankt, wieder innehält, nochmals ansetzt und seinen Matchdart in der Doppel 14 versenkt.

 

Der Beitrag über mentale Stärke wird wohl zu einem späteren Zeitpunkt kommen... mich hat hier nämlich die Melancholie überrollt. Meine Freude über den Sieg von Mensur Suljovic, einem österreichischen Dartsspieler,  ist enorm, obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt habe. Ich verfolge die österreichische Dartsszene mit und sie macht mich stolz, weil ich ein klitzekleines Steinchen davon bin. 

 

Die Turnierteilnehmerzahlen steigen zwar langsam, aber sie steigen. Früher oder später wird Darts als Sportart anerkannt sein. Es wird wieder jemanden geben, der/die es sich in den Kopf setzt, etwas zu bewegen und diese Sportanerkennung durchzusetzen - mit allen Mitteln und jeglicher Kreativität, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Diesen Unermüdlichen wird immer ein rauer Wind entgegenwehen. Oftmals wird von den Spielenden nicht daran gedacht, dass die Offiziellen und Helfenden Zeit und Mühe opfern, um den Dartbetrieb aufrecht zu erhalten, um einen weiteren Stein in das Dartspuzzle zu setzen.

Liebe Funktionärinnen und Funktionäre: gebt nicht auf! Es ist das Los der Ehrenamtlichen, derer, die was bewegen wollen, dass sie Kritik ausgesetzt sind. So viele könnten alles besser machen.... könnten!

  

 

So wie vor 27 Jahren, als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, einen Österreichischen Darts Verband auf die Beine zu stellen. Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob es vielleicht zu früh war, ob es zu diesem Zeitpunkt notwendig war. Mir erschien es damals wichtig, anderen weniger.

Jedes Mal, wenn ich irgendwo das Logo des ÖDV sehe, freue ich mich, dass es nun schon 27 Jahre überdauert hat und erinnere  mich daran, wie ich die Initialen des ÖDV und ein Board und Darts gemeinsam als Logo darstellen wollte. Mit Zettel und Bleistift skizzierte ich und  strich es wieder durch und begann von Neuem, bis ich damit zufrieden war. Martin Dallinger war für mich dann der Hero, er hatte einen Computer und die Fähigkeit, dieses Logo  - mit Steinzeitmitteln - da hinein zu bringen.

 

Wie 1990 zu Statuten kommen, sieben Jahre bevor Google online ging?  

 

Aus heutiger Sicht ist die Herausforderung, damals einen Dachverband zu gründen, wahrscheinlich gar nicht nachvollziehbar. Wie 1990 zu Statuten kommen, sieben Jahre bevor Google online ging? Wie zu drei Landesverbänden, nur mit Festnetztelefon und Briefpost? Wie zum notwendigen Rückhalt und zur Akzeptanz der Dartsszene, die sich nur an  einigen wenigen Turnieren sah? Gott sei Dank wussten wir nicht, dass es bald einfachere Kommunikationsmittel geben würde,  wir hätten uns wohl nicht an den "Schreibautomaten" gesetzt und die Statuten des Judoverbandes leicht adaptiert und abgetippt, Flugblätter kopiert oder Ausschreibungen kuvertiert.

 

Ich erinnere mich auch noch an die konstituierende Generalversammlung, wo wir mit der Hand eine Europakarte mit den Ländern, die einen Dachverband hatten, ausgemalt hatten - Österreich war der weiße Fleck mittendrin. Wo ich stundenlang mit meiner ganzen Steinbock-Leidenschaft dieses "Wir brauchen das unbedingt und zwar jetzt" vertrat. Wo bis zur Abstimmung völlig unsicher war, ob es nach der Sitzung einen Dachverband geben würde oder nicht. Tatsächlich war es dann verdammt knapp, aber in der Minute der Gründung hatten wir  die notwendige Mitgliederanzahl. ;)

 

Lange Zeit wurde dann - trotz unserer internationalen Präsenz (und "Präsenz" ist hier erst einmal  als "Dabeisein" zu verstehen) - noch immer an der Notwendigkeit dieses Konstrukts eines ÖDV gezweifelt und vielleicht war der Zeitpunkt auch wirklich zu früh. Wenn ich jetzt manchmal mitverfolge, wie sich der Dartssport in Österreich entwickelt, freue ich mich sehr darüber. Ich freue mich auch, dass es immer wieder Enthusiasten gibt, die sich die Mühe von ehrenamtlichen Positionen antun - der Input (viel Arbeit, Zeit, Nerven, Nachdenken,...) und auch der Output (wenig "danke", viel Kritik) haben sich seither nicht geändert. Danke an diese Idealisten, die diese Mühe während der vielen Jahren auf sich genommen haben, um den Dartssport in Österreich voranzutreiben! Und Besserwisser, die nur besser wissen, aber nichts besser machen, wird es immer geben! 

 

Das Ergebnis kann sich aber in jedem Fall sehen lassen. 

 

Ein Österreicher, der die Champions League gewinnt, macht alle Österreicher stolz. Dartsspieler noch viel mehr. Und mich auch - sehr!